Ausstellung

Keine andere Region auf dem europäischen Kontinent hat in den letzten 20 Jahren so viel durchmachen müssen wie der Nordkaukasus. Zwei zerstörerische Kriege, Terrorismus, bis zum heutigen Tag andauernde Ungerechtigkeit und Gewalt. Auch jetzt ist die Situation auf diesem Stückchen Erde bei Weitem nicht friedlich und die Menschen hier bangen berechtigterweise um ihre Sicherheit.

Die Gegenwart kann man kaum mit den Kriegsjahren vergleichen, als Zehntausende Zivilisten in Tschetschenien bei Kämpfen ihr Leben verloren und ganze Stadtteile zerbombt wurden. Die Hauptstadt Tschetscheniens Grosny wurde in den letzten Jahren zwar beträchtlich rekonstruiert, hinter den neuen Fassaden herrscht aber weiterhin die Angst. Jederzeit kann man verschleppt werden und verschwindet einfach. Man kann niemanden um Hilfe bitten, oftmals findet man nicht einmal heraus, was genau geschehen ist.

In Tschetschenien herrscht Ramzan Kadyrov. Er und seine bewaffneten Einheiten, die sog. Kadyrov-Gang, wurden mancher Foltertat und weiterer Gräueltaten beschuldigt.

Es gibt keine freien Medien, unabhängigen Gerichte oder eine unbefangene Polizei – alles ist Ramzan Kadyrov untergeordnet. Die Totalität in Tschetschenien hat im Rahmen des Nordkaukasus und Russlands ein extremes Maß erreicht, es kommt jedoch auch in anderen Regionen des Nordkaukasus zu Entführungen oder willkürlichen Hinrichtungen.

In den letzten Jahren kommt dies vor allem in Dagestan vor, wo Armee und Polizei gegen Rebellen kämpfen, sei es gegen echte oder mutmaßliche Rebellen, die der Republik einen streng islamistischen Charakter verleihen wollen. Oft kommt es unter anderem zu Schießereien, Explosionen und Operationen mit schwerer Armeetechnik.

Tschetschenien, Dagestan, Inguschetien – die Probleme der einzelnen Republiken des Nordkaukasus sind in vielerlei Hinsicht unterschiedlich, der gemeinsame Nenner sind jedoch die Gesetzlosigkeit und Willkür der staatlichen Sicherheitsorgane, die in den hiesigen Gesellschaften ein Gefühl der Ungerechtigkeit und Hilflosigkeit auslösen und die eine wirkliche Lösung der Probleme in der Region verkomplizieren und hinausschieben. Russische Menschenrechtler machen darauf aufmerksam, dass Folter, Morde und das Verschwinden von Menschen eben von diesen staatlichen Sicherheitsorganen ermöglicht werden, die sich nicht an Gesetze halten müssen – sie werden in dieser Hinsicht von der höchsten Staatsführung gedeckt. Die einzige Hoffnung auf Gerechtigkeit, obgleich etwas verspätet und fernliegend, ist der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, der von Klagen aus Russland überhäuft wird; einen großen Teil davon machen gerade Fälle aus Tschetschenien und weiteren Republiken des Nordkaukasus aus.

Im Unterschied zur Vergangenheit ist es heute für Menschenrechtler vor Ort, die unter den schweren Bedingungen versuchen, Gerechtigkeit durchzusetzen, viel komplizierter die internationale Aufmerksamkeit auf die Problematik des Nordkaukasus zu lenken – also möchten wir gerade mit Hilfe dieser Ausstellung ihr Bestreben unterstützen.