Estemirova_portret

Erschossen

Natalia Estemirova

Laut Zeugen wurde die Menschenrechtlerin Natalia Estemirova am 15. Juli 2009 in der Nähe ihres Hauses in Grosny entführt. Ihre Leiche wurde am Nachmittag desselben Tages mit Schusswunden am Kopf im Dorf Gazi-Yurt in Inguschetien gefunden. Ihr Tod fügte ihren Kollegen und allen anderen, denen sie sehr oft die einzige Hoffnung auf Wahrheit war, unsäglichen Schmerz zu.

Natalia arbeitete als Geschichtslehrerin und kam aus einer tschetschenisch-russischen Familie in Grosny, aber schon während des ersten tschetschenischen Krieges fing sie an, als Journalistin in Tschetschenien zu arbeiten. Sie berichtete über den Kriegsverlauf und machte Hunderte von Fotos von den Opfer, vor allem von Kindern. Nach dem Beginn des zweiten tschetschenischen Kriegs arbeitete sie mit der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial zusammen und deckte Entführungen und Morde an tschetschenischen Zivilisten auf.

Durch ihre Tätigkeit wurde Estemirova den Behörden unbequem und so bekam sie wiederholt Drohungen vom tschetschenischen Präsidenten. Ein unangenehmes Gefühl nach einem dieser Gespräche mit ihm brachte sie im Jahr 2008 dazu, sich für einige Monate im Ausland zu verstecken. Im Herbst desselben Jahres kam sie nach Tschetschenien zurück und setzte ihre Arbeit fort.
Keiner ihrer Kollegen oder ihr nahestehenden Personen zweifelt daran, dass es sich bei dem Tod Estemirovas um einen Auftragsmord handelt. Und wie bei den meisten ähnlichen Fällen wurden weder ihr Mörder noch der Auftraggeber bestraft.

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ZAREMA-portret

Verschwunden

Zarema Gaysanova

Die Untersuchung des Verschwindens von Zarema Gaysanova dient als Beispiel der Untätigkeit und Sabotage seitens russischer Untersuchungsorgane. Bei der Untersuchung dieses Verbrechens, an der sich Vertreter des Staates beteiligten, kam es zu einer Fälschung von Beweismaterial. Die Fälscher wurden bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen.

Die fünfzigjährige Tschetschenin Zarema arbeitete im benachbarten Inguschetien für die humanitäre Flüchtlingsorganisation – Danish Refugee Council. Am 31. Oktober kam sie im Rahmen einer Dienstreise nach Grosny in Tschetschenien zurück und wollte in einem unbewohnten Einfamilienhaus übernachten. Zarema wurde noch am selben Tag bei einem Sondereinsatz entführt, der von bewaffneten Einheiten gegen Rebellen auf diesem Grundstück organisiert worden war. Die Operation wurde vom tschetschenischen Präsidenten Ramzan Kadyrov persönlich angeführt. Während des Einsatzes verfrachteten maskierte Männer Zarema in einen Geländewagen der Marke UAZ und brachten sie an einen unbekannten Ort. Seitdem weiß ihre Familie nichts über ihr Schicksal.

Nach Beweisen von Menschenrechtlern wurde das Meldedatum über ihr Verschwinden manipuliert. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte befasst sich ebenfalls mit der sehr ungenauen Untersuchung dieses Falls. Die Mutter von Zarema, Lida Gaysanova, reichte bei diesem Gericht eine Klage gegen Russland ein.

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ASCHABOV_portret

Verschwunden

Abdul-Yezit Askhabov

Im Jahr 2009 verlor Familie Askhabov ihren behinderten Sohn Abdul-Yezit, der spurlos verschwunden war. Die Sicherheitstruppen wurden auf die Familie wegen der militanten Vergangenheit ihres anderen Sohnes Jusup aufmerksam. Jusup kämpfte in den Jahren 1999-2000 im Krieg gegen die föderalen Truppen. Nach dem Krieg unterstützte er die bewaffneten Gruppen nicht mehr und lebte auch nicht mehr mit seiner Familie zusammen. Er wurde am 28. Mai 2009 während eines Sondereinsatzes im Zentrum der tschetschenischen Stadt Schali getötet. Sein Vater fuhr damals in die Stadt, um die Leiche seines Sohnes zu identifizieren. Laut seiner Aussage wurde er neben seinem toten Sohn von maskierten Männern zusammengeschlagen. Als erster schlug der Polizeidienststellenleiter von Schali Magomed Daudov zu, der auch unter dem Namen Lord bekannt ist.

Später im Sommer, am 5. August um drei Uhr nachts kamen maskierte Männer zum Haus der Familie Askhabov. Sie stellten sich als Föderaler Sicherheitsdienst vor, nahmen Abdul-Yezit einfach mit und brachten ihn an einen unbekannten Ort. Später erfuhr die Familie, dass Abdul-Yezit wahrscheinlich auf der Polizeistation in Schali festgehalten wird.

Abdul-Yezit ist bis zum heutigen Tag verschollen. Die Untersuchung seines Verschwindens wurde eingestellt „weil es nicht möglich ist, Täter auszumachen.“ Der ehemalige Polizeidienststellenleiter aus Schali, Lord, wurde inzwischen zum Bürochef des tschetschenischen Präsidenten Ramzan Kadyrov ernannt.

Die Klage der Familie Askhabov beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wartet auf eine Beurteilung.

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IBRAGIMOV_portret

Verschwunden

Said-Saleh Ibragimov

Bei der Untersuchung des Verschwindens von Said-Saleh Ibragimov wurden Zeugen und Geschädigte unter Druck gesetzt. Der Ermittler bedrohte die Mutter des entführten Jungen und sagte ihr, dass sie die ganze Familie in Gefahr bringen werde, wenn sie erzählen werde, was geschehen war.

Der entführte Said-Saleh wusste anscheinend, dass sich auf dem Bauernhof der Familie über Nacht 3 Rebellen versteckt hatten. Am nächsten Tag, dem 21. Oktober 2009, wurden zwei dieser Männer bei einem Sondereinsatz der Sicherheitstruppen getötet. Der dritte Rebell konnte fliehen. Bei diesem Angriff starb ein Polizist.

Said-Saleh, der vom Versteck der Rebellen wusste, wurde in Grosny auf der Straße gepackt und zum Regiment gebracht. Auch sein Onkel Adnan wurde vorgeladen. Im Büro des Befehlshabers des Regiments, Scharip Delimchanov, sah Adnan Said-Saleh zum letzten Mal. Die Ermittler deuteten später an, dass die Aussage Adnans darüber, was er im Büro von Delimchanov gesehen hatte, die Familie in große Schwierigkeiten bringen könnte.

Das Schicksal von Said-Saleh ist bislang unbekannt und am 3. April 2010 wurde die Strafverfolgung vertagt, „weil es nicht möglich ist Personen zu ermitteln, die beschuldigt werden könnten“. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg beschuldigte Russland, das für die schlechte Ermittlung verantwortlich war und stellte fest, dass es im Fall der Entführung Said-Salehs zu mehreren Verstößen gegen die Menschenrechtscharta gekommen war.

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EDIGOV_portret

Verurteilt

Suleiman Edigov

Sulejman Edigov wurde wegen versuchten Mordes an einem Polizisten und unberechtigten Waffenbesitzes im Mai 2014 zu 14 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt. Sulejman bestreitet seine Schuld und behauptet, zu dem Geständnis durch Folter seitens der Sicherheitstruppen gezwungen worden zu sein. Es gibt in der russischen Justiz keinen vergleichbaren Fall, weil der Richter Vachid Abubakarov im Verlaufe des Gerichtsverfahrens im November 2013 diesen Fall abgegeben hatte.

Der Richter gab an, dass der Innenminister der Tschetschenischen Republik Druck auf ihn ausübe, damit er Sulejman für schuldig erkläre. Er, der Richter sei somit befangen. Edigov wohnte seit 2009 nicht mehr in Tschetschenien. Im August 2012 fuhr er dorthin, um ein Auto zu verkaufen. Am 3. August wurde er dann vor mehreren Zeugen von maskierten Männern gepackt und in einer Kreisabteilung der Polizei bis zum 12. September festgehalten, an diesem Tag wurde er dann nach offiziellen Dokumenten festgenommen. In dieser Zeit wurde er durch Folter zu dem Geständnis gezwungen, das dann als einer der wenigen Beweise seiner Schuld im Gerichtsprozess, bei dem er zu 14,5 Jahren verurteilt wurde, verwendet wurde. Der Fall wartet noch auf die Prüfung für eine Berufung beim Höchsten Gerichtshof der Russischen Föderation.

Die vierzehnjährige Strafe hatte dann ein anderer Richter verordnet. Der ursprüngliche Richter Abubakarov hat jedoch genug Beweise darüber gesammelt, dass Sulejman Edigov im Jahr 2012 während seiner vierzehntätigen ungesetzlichen Festnahme mit elektrischem Strom gefoltert worden war. Man hatte Aluminiumdrähte um seine Finger gewickelt und diese mit Strom gespeist. Diese grauenhafte Folter fügte Sulejman eiternde Wunden an den Fingern und an den Händen zu.

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KUTAYEV_portret

Verurteilt

Ruslan Kutayev

Der aktive Menschenrechtler, Kämpfer für bessere tschetschenisch-russische Beziehungen, Mann im reifen Alter, Ruslan Kutayev, kam wegen angeblichen Drogenbesitzes im Februar 2014 hinter Gitter. Es passierte nachdem er eine Konferenz zum siebzigsten Jahrestag der von Stalin beauftragten Deportation kaukasischer Völker organisierte. Der tschetschenische Präsident Ramzan Kadyrov war mit der Abhaltung dieser Konferenz nicht einverstanden.

Nach Beendigung der Tagung wurden die Organisatoren vom Leiter des Präsidentenbüros, Magomed Daudov, genannt Lord, angerufen und zu einem Treffen mit dem Präsidenten eingeladen. Ruslan Kutayev kam dieser Aufforderung nicht nach. Einen Tag später, am 20. Februar 2014, wurde er verhaftet. Laut offiziellen Informationen haben ihn die Sicherheitstruppen im Dorf Gechi zufällig kontrolliert. Bei der Durchsuchung wurden in der Gesäßtasche Kutayevs, der keine Drogen nimmt und Nichtraucher ist, 3 Gramm Heroin gefunden. Nach seiner Festnahme wurde er gefoltert und zu einem Geständnis gezwungen.
Es drohten ihm 12 Jahre Haft. Am 7. Juli 2014 wurde er zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt. Kutayev und mit ihm viele andere Menschenrechtler aus Russland sind überzeugt, dass der Prozess mit der aktuellen Tendenz der russischen Regierung zusammenhängt, Oppositionspolitiker, Menschenrechtler oder Aktivisten zu diskreditieren.

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ISRAILOV_portret

Erschossen

Umar Israilov

Umar Israilov sagte über die Brutalität der Kadyrov-Gang, Einheiten die direkt dem tschetschenischen Präsidenten unterstellt sind aus. Das kostete ihn wahrscheinlich das Leben. Er war nämlich selbst für kurze Zeit Mitglied der Leibwache des Präsidenten, er kannte sich also aus. Umar Israilov wurde am 13. Januar 2009 am helllichten Tag in Wien ermordet. Im Jahr 2010 wurden drei Täter von der österreichischen Justiz zu 16 Jahren, 19 Jahren und zu lebenslanger Haft verurteilt. In der Anklage wurde Ramzan Kadyrov erwähnt, der direkt hinter den Morden steht.

Zu Beginn des ersten tschetschenischen Krieges war Umar 13 Jahre alt. Im zweiten Krieg schloss er sich den Rebellen an. Im Jahr 2003 wurde er von Kadyrovs Männern gefangen genommen – damals schon Anhänger der Kreml-Politik. Nach langen Folterungen trat er in ihre Reihen ein, um sein Leben zu retten.

Im Jahr 2004 verließ Umar mit seiner Frau Russland und bekam in Europa politisches Asyl. Damals hielten die Sicherheitstruppen seinen Vater fest. Der alte Mann wurde gefoltert und Zeuge von Folterungen anderer Menschen. Er hatte aber schließlich das Glück, entlassen zu werden – abgemagert wurde er vor seinem Haus aus einem Auto geworfen. Die russische Staatsanwaltschaft forderte ihn später zu der Behauptung auf, er habe sich die 10 Monate Folterung ausgedacht, weil er Zeit mit seiner Geliebten verbringen wollte.

Vater und Sohn haben im Jahr 2006 eine Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingereicht, weil das Gericht aber ihren Aufenthaltsort nicht kannte, konnten sie nicht vernommen werden und so wurde kein Verfahren eröffnet. Umar überreichte der Zeitschrift The New York Times sehr detailliertes Material, das die Gewaltbereitschaft der Kadyrov-Männer belegt.

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VALIBAGANDOV_portret

Verschwunden

Omar Valibagandov

Am 22. August 2013 fuhr Omar Valibagandov mit seinem Auto zu seiner ehemaligen Arbeit, um Geld abzuholen, aber er kam nie wieder nach Hause. Er ging auch nicht an sein Telefon. Die Verwandten von Omar suchten ihn erfolglos und noch am selben Tag gaben sie beim zuständigen Amt eine Vermisstenmeldung auf. Am nächsten Tag fanden sie über inoffizielle Quellen heraus, dass sich Omar im Stadtkrankenhaus in der Stadt Izberbasch in Dagestan befindet. Sie fuhren am 24. August dahin und fanden über die Krankenhausdokumentation heraus, dass Omar am frühen Morgen des 23. August mit Schnittwunden, Hämatomen, Quetschungen und Verletzungen von Elektro-Schocks ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Der Arzt sagte, dass Omar die notwendige medizinische Hilfe geleistet wurde und er ungefähr nach einer Stunde von Polizeibeamten abgeholt und weggebracht wurde.

Omars Familie gelang es nicht die Aufzeichnungen der Krankenhauskamera zu bekommen. Es gibt Zeugen, die behaupten, dass Ruslan Daudov, der Leiter der lokalen Polizeiabteilung, im Krankenhaus war. Es existieren auch Aufzeichnungen von Straßenkameras, auf denen unbekannte Männer zu sehen sind, die Omars Fahrzeug manipulieren. Der Fall Valibagandov wurde erst nach der Intervention des russischen Ombudsmannes ermittelt. Bislang leider erfolglos.

Omar bekannte sich zum Salafismus, einer Strömung innerhalb des Islams, die die russische Staatsverwaltung für den Ursprung des Terrorismus hält.

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RAMAZAN_portret

Verschwunden

Ramazan Umarov

Ramazan Umarov wurde am 28. April 2007 um 8 Uhr morgens von der Polizei direkt aus seiner Wohnung in der Hauptstadt von Dagestan, Machatschkala mitgenommen. Zwei andere Männer wurden zusammen mit ihm festgenommen und nach dem Verhör entlassen. Ramazan verschwand jedoch spurlos.

Einige Wochen lang versuchte seine Familie herauszufinden, wo sich Ramazan aufhält. Sie trafen sich mit Menschen, die angeblich Informationen über ihn hatten, sein Aufenthaltsort blieb unklar. Die Polizei begann erst am 18.Mai 2007 die Umstände seines Verschwindens zu ermitteln.

Sein Vater und seine Schwester wandten sich im Dezember 2007 an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Die russische Seite behauptete in Straßburg, dass nichts über sein Verschwinden ermittelt werden konnte, auch nicht Ramazans Tod oder Anhaltspunkte, dass an seinem Verschwinden staatliche Sicherheitstruppen beteiligt waren. Laut Russland war die Ermittlung effektiv. Der Gerichtshof in Straßburg wies unter anderem auch darauf hin, dass die Ermittlung sechsmal unterbrochen wurde, es war also äußert schwierig die Schuldigen zu finden und sie zur Verantwortung zu ziehen. Nach einigen Jahren wurde in Straßburg folgendes Urteil gefällt – Russland wird wegen Verstöße gegen einige Artikel der Konvention zum Schutz der Menschenrechte, zu denen es bei der Festnahme von Ramazan und auch bei der Ermittlung seines Verschwindens gekommen war, zu einer Schadensersatzzahlung von 60 000 EUR verpflichtet.

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MAGOMEDOVA_portret

AnwältinAvocate

Sapiyat Magomedova

Sapijat entschied sich, ihr Leben dem Rechtswesen zu widmen. Sie arbeitet unter komplizierten Bedingungen in Dagestan und versucht Recht und Rechtsverfahren für ihre Mandanten durchzusetzen. Es handelt sich oft um sehr heikle Fälle, die andere Juristen ablehnen, weil sie Angst um ihre eigene Sicherheit haben.

In ihrer Praxis erlebte sie viele ungestrafte Ungerechtigkeiten. Sapijat kritisiert die Verbindung von Politikern und staatlichen Organen mit bewaffneten Gruppen. Korruption ist laut Sapijat das brennendste Problem der staatlichen Organe und Behörden. Sie glaubt, dass dort, wo Korruption herrscht, Organe keine Möglichkeit haben, die Einhaltung von Menschenrechten sicherzustellen. Ungestrafte Kriminalität generiert ihrer Meinung nach nur weitere Kriminalität.

Die zierliche junge Juristin wurde selber zum Opfer von Gewalt, die bislang ungestraft geblieben ist. Im Jahr 2010 wurde Sapijat von der Polizei verprügelt, als sie eine Mandantin besuchte, die von der Polizei festgehalten wurde. Nach einer Gehirnerschütterung und weiteren Verletzungen lag Sapijat drei Monate mit gebrochenen Rippen und inneren Verletzungen des Brustkorbs im Krankenhaus. Die Polizei ermittelte damals in zwei Fällen statt in einem. Zuerst gab es die Klage von Sapijat bezüglich der Polizeigewalt, aber auch eine Klage der Polizisten, laut der Sapijat die Polizisten selber angegriffen haben soll. Die Strafverfolgung wurde in beiden Fällen mit der Begründung eingestellt, dass es unmöglich festzustellen sei, wer wen verprügelt hat. Sapijat hat also Berufung beim Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg eingelegt.

Sapijat hat wie alle anderen Angst um ihr Leben. Für ihre mutige Arbeit wurden ihr einige internationale Preise verliehen – neben der Motivation ihre Arbeit weiter fortzuführen, bedeuten diese Preise auch eine gewisse Sicherheitsgarantie.

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JEVLOJEV-portret

Erschossen

Magomed Yevloyev

Viele halten den Tod von Magomed Yevloyev, dem Eigentümer der Webseite der Opposition www.ingushetiya.ru, für einen weiteren unklaren Tod eines lästigen, unabhängigen Journalisten in Russland.

Per Zufall befand sich Magomed am 31. August 2008 im selben Flugzeug von Moskau nach Inguschetien wie sein „Ideenfeind“, der damalige Präsident von Inguschetien Murat Zjazikov. Bereits im Flugzeug schrieb Magomed seinen Freunden und der Familie, dass sie auf ihn besser am Flughafen warten sollen. Im Jahr 2008 fürchtete er ständig um sein Leben.

Nach der Ankunft wurde Magomed sofort festgenommen und weggebracht. Die Freunde, die am Flughafen auf ihn gewartet hatten, fuhren den Fahrzeugen hinterher. Es gelang ihnen eins davon anzuhalten. Sie stellten fest, dass sich im Auto Männer der Leibwache des Innenministers Musa Medov befanden, der den Präsidenten persönlich auf dem Flughafen willkommen geheißen hatte. Die Freunde, die das Fahrzeug mit Magomed verfolgten, sahen wie die Entführer den halbtoten Magomed vor dem Krankenhaus aus dem Auto warfen. Er starb auf dem Operationstisch an einem Schuss in die Schläfe.

Laut offizieller Erklärung kam es zu dieser Verletzung, als der festgenommene Yevlojev während eines Geplänkels in der Fahrzeugkabine auf die Pistole einer der Leibwachen fiel. Bei der Untersuchung der Straftat „fahrlässige Tötung bei Erfüllung der Dienstpflicht“ wurde einer der Leibwächter bestraft. Dieser wurde im Jahr 2010 nach einer Strafminderung auf zwei Jahre Haft von unbekannten Tätern in einem Café in der Hauptstadt Nazrani erschossen.

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Tsechoev_portret

Verschwunden

Abubakar Tsechoev

Das Verschwinden von Abubakar Tsechoev im Jahre 2012 weckte im Vergleich zu anderen Fällen beim Präsidenten von Inguschetien Junus-Bek Jewkurow Interesse. Er musste nämlich auf Beschwerden seitens der Bürger reagieren, die forderten, dass solche Entführungen beendet werden. Die Bürger von Inguschetien drohten, dass sie sonst auf die Straße gehen würden.
Am 22. März 2012 wurde Abubakar direkt aus der wasserwirtschaftlichen Einrichtung, in der er arbeitete, verschleppt. Um 21 Uhr kam eine Gruppe von ungefähr 10 Männern auf das Gelände der Einrichtung. Sie schnitten die Stacheldrähte durch und schalteten den Strom ab. Drei von Abubakars Kollegen waren Zeugen der bewaffneten Entführung, sie informieren die Familie darüber. Die Familie versuchte die ganze Angelegenheit sofort den zuständigen Behörden zu melden. Es wurde ihnen jedoch empfohlen, einige Tage mit der Meldung zu warten, vielleicht würde Abubakar ja selbst nach Hause kommen.
Die Familie Tsechoev aus Inguschetien hatte bereits Erfahrungen mit gesetzeswidrigen Festnahmen. Der Bruder von Abubakar, Islam, wurde im Jahr 2001 entführt. Er wurde sogar mit einem angeblichen Komplizen entführt, dem Tschetschenen Salambek, den Islam nie zuvor gesehen haben soll. Beide wurden gefoltert und an verschiedene Orte in der Russischen Föderation gebracht. Islam reichte schließlich eine Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein. Der Gerichtshof verurteilte die Russische Föderation für die Verletzung der Konvention zum Schutz der Menschenrechte. Nachdem die Klage eingereicht worden war, lebte Islam aus Angst um seine Sicherheit nicht mehr in Inguschetien. Abubakar Tsechoev hat man bis heute nicht gefunden.

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